Die klassische Homöopathie

Das Wesen der Homöopathie

Die Homöopathie hat eine mehr als 200-jährige Tradition. Erlöste sie einst die Menschen von - damals meist unnützen, ja oft sogar schädlichen - therapeutischen Maßnahmen wie Aderlass und Schröpfkur, so ist sie heute eine der wenigen Behandlungsmethoden, die sich sowohl um den Menschen in seiner Gesamtheit wie auch um eine grundlegende Heilung kümmert.

Dabei will der Homöopath eben nicht nur die Symptome behandeln, sondern eine Heilung von Grund auf forcieren. Die Homöopathie mobilisiert gezielt die Selbstheilungskräfte, so dass der Patient seine Krankheit aus eigener Kraft überwinden kann.
Homöopathische Arzneimittel wirken ganzheitlich, sie beeinflussen gleichermaßen unser körperliches, seelisches wie geistiges Befinden. Jedes Mittel wird so ausgewählt, dass es zu dem kranken Menschen passt, zu seinen Beschwerden, seinem Befinden, seiner Persönlichkeit.

Die Homöopathie erlaubt eine Selbstbehandlung, wie man sie so vielfältig von keiner anderen Therapiemethode kennt. Voraussetzung dafür - wie für jede Art der Selbsthilfe - ist, dass man die Verantwortung für seine Gesundheit selbst übernimmt. Dazu gehört auch, sich gründlich mit dem Heilverfahren zu beschäftigen.

Die Grundprinzipien

Similia similibus curentur - der lateinische Satz bedeutet "Ähnliches möge mit Ähnlichem geheilt werden" und beschreibt zutreffend das auf Samuel Hahnemann zurückgehende Prinzip der homöopathischen Heilung. Homöopathie bedeutet in erster Linie eine Anregung zur Selbstregulation.

Viele Menschen trinken an heißen Sommertagen kalte Getränke - und stellen anschließend fest, dass dies nicht die gewünschte Abkühlung bringt, sondern einem sogar noch wärmer wird. Dies ist ein Beispiel dafür, dass sich ein Zustand nicht durch sein Gegenteil beheben lässt, sondern nur dadurch, dass man den Körper in seinen Abläufen unterstützt.
Dieses Prinzip wird als "Ähnlichkeitsprinzip" bezeichnet und besagt, dass Krankheiten mit einer Arznei behandelt werden, die bei einem Gesunden ähnliche Krankheitssymptome erzeugen würde. Übersetzt bedeutet "Homöopathie" auch nichts anderes als "Heilen mit Ähnlichem".

Um eine Heilung hervorzurufen, setzt der Therapeut mit dem individuell passenden Mittel einen Reiz, mit welchem er den Organismus auffordert, entsprechend zu reagieren. Es handelt sich hierbei um Regulationsvorgänge, welche die Abläufe im Körper wieder in die richtigen Bahnen lenken. Folglich ist die Homöopathie eine Reiz-Regulations-Therapie.

Damit die Homöopathie allerdings tatsächlich ihre Wirkmacht entfalten kann, sollte der Körper in der Lage sein, zu reagieren. Dies ist jedoch nicht oder nur eingeschränkt möglich, wenn z. B. die Selbstheilungskräfte geschwächt oder gar blockiert sind. Auch äußere Einflüsse wie übermäßiger Genuss von Kaffee und Alkohol bzw. der Konsum von Zigaretten können den Heilungsversuch negativ beeinflussen.
Damit eine homöopathische Behandlung ihre vollen Kräfte entfalten kann, sollte man einen gesunden Lebensstil mit ausreichend Schlaf, regelmäßiger Bewegung und mäßigem Stress sowie einen seelisch ausgeglichenen Zustand anstreben.

Möglichkeiten und Grenzen

Die Homöopathie ist weder eine Universaltherapie, mit deren Hilfe sich sämtliche Krankheiten heilen lassen, noch ist sie als Alternative losgelöst von der Schulmedizin zu betrachten.

Je nach Erkrankung (und für die Diagnose bedarf es in vielen Fällen der schulmedizinischen Untersuchungsmethoden) bietet unter Umständen die Schulmedizin vorrangig die Behandlungsmethode der Wahl. Für eine notwendige Operation ist die Homöopathie ebenso wenig ein Ersatz. Bei einem Kind beispielsweise, das sich vor Bauchschmerzen krümmt, muss zunächst mit schulmedizinischen Kenntnissen und Verfahren geklärt werden, ob es sich hier um eine Blinddarmentzündung oder vielleicht nur um zu viel Luft im Darm handelt.

Erstere muss aufgrund der akuten Lebensgefahr operiert werden, Blähungen hingegen lassen sich mit einem Homöopathikum wie etwa Acidum formicicum behandeln. So kann selbst der homöopathisch tätige Therapeut nicht auf die modernen Kenntnisse der Medizin verzichten.

Möglicherweise ist es aber auch sinnvoll, das eine zu tun, ohne das andere zu lassen. So gibt es schwere Infektionen, die selbst der homöopathisch tätige Arzt mit einem Antibiotikum behandeln muss. Zusätzlich wird er aber ein homöopathisches Mittel geben, um die Nebenwirkungen des Antibiotikums zu vermindern, für eine verbesserte Verträglichkeit zu sorgen und die Dauer der Krankheit abzukürzen.

Auch die Folgen einer Narkose können durch homöopathische Arzneimittel vermindert werden, die Heilung einer Wunde unterstützt oder eine rasche Genesung gefördert. Schulmedizin und Homöopathie ergänzen sich also. Man sollte die Homöopathie deshalb immer als einen integrativen Ansatz und niemals als Gegensatz zur Schulmedizin betrachten.

Daneben gibt es auch zahlreiche Erkrankungen, bei denen die Homöopathie allein große Erfolge aufweisen kann. Dazu zählen neben Entzündungen der Nasennebenhöhlen oder Infekten der Harnwege ebenso die Neurodermitis: Je frühzeitiger der Betroffene homöopathisch behandelt wird, desto eher kann ihm der übliche Behandlungsweg (meist mit Kortisonsalben) mit den dazugehörigen Nebenwirkungen erspart bleiben.

Entstehung und Entwicklung der Homöopathie

Samuel Hahnemann - der Begründer der Homöopathie

Samuel HahnemannSamuel Hahnemann, Begründer der Homöopathie
Der Name "Homöopathie" setzt sich aus den griechischen Wörtern "homoios" (ähnlich) und "pathos" (Leiden) zusammen, heißt also "ähnliches Leiden".

Der Begriff wurde von dem Entdecker und Begründer der Homöopathie, Christian Friedrich Samuel Hahnemann, geprägt. Hahnemann wurde am 10. April des Jahres 1755 in Meißen geboren und starb am 2. Juli 1843 in Paris. Ehe er als Mediziner zu Ruhm gelangte, finanzierte Hahnemann sein Studium als Fremdsprachenlehrer und Übersetzer.

Im Jahre 1779 schloss er sein Medizinstudium ab und ließ sich mit einer eigenen Praxis in Leipzig nieder. Die damaligen äußerst groben Heilmethoden, die aus Aderlässen, Brech- und Abführkuren oder aus der Gabe von giftigen Mitteln wie Quecksilber und Arsen bestanden, ließen ihn allerdings bald an seiner Aufgabe zweifeln und seine Praxis bald wieder schließen.

Er übte anschließend öffentlich Kritik an der gängigen (von ihm als "Schulmedizin" bezeichneten) Medizin. In Selbstversuchen mit Chinarinde stellte Hahnemann fest, dass er - obwohl nicht an Malaria erkrankt - ähnliche Symptome wie ein Malariakranker entwickelte. Auf diese Weise erlangte der Mediziner die Erkenntnis, dass Chinarinde Malaria heilt, gerade weil sie bei einem Gesunden die Symptome der Malaria hervorruft.

Damit war Hahnemanns Idee "Ähnliches kann durch Ähnliches geheilt werden" geboren, die er in den folgenden Jahren systematisch überprüfte und testete. Für damalige Verhältnisse wagte sich Hahnemann mit seiner Theorie weit vor; zumal er behauptete, dass die heilende Wirkung umso größer ausfiele, je geringer die Dosis des Symptome verursachenden Stoffes wäre. Diese neue, sanfte Medizin bedeutete für die Patienten jedoch eine Erlösung von den üblichen, oftmals rüden Behandlungsweisen; und so nahmen sie Hahnemanns Methoden begeistert an.

Im Jahr 1810 erschien Hahnemanns Hauptwerk, das "Organon der Heilkunst" mit den Grundlagen und Gesetzen seiner Lehre. Dem Buch, das bis heute nichts von seiner Gültigkeit verloren hat, folgte von 1828 bis 1830 die mehrbändige Reihe "Die chronischen Krankheiten". 1835 zog Hahnemann nach dem Tod seiner Frau nach Paris und führte dort bis zu seinem Tod 1843 eine erfolgreiche homöopathische Praxis.

Natürlich geht die Homöopathie in ihren Grundzügen auf ihren Begründer Samuel Hahnemann zurück, erfährt aber eine stetige Neuentwicklung auch auf Basis moderner Entdeckungen und medizinischer Erkenntnisse.

Sind Homöopathie und Wissenschaft Gegensätze?

In der täglichen medizinischen Praxis ebenso wie in der Selbstbehandlung spielt die homöopathische Therapie eine wichtige Rolle. Im Vergleich mit der Schulmedizin liegt der Homöopathie jedoch ein völlig anderes theoretisches Konzept zugrunde.

Dies ist einerseits durch die unterschiedliche Sichtweise von Krankheit und Heilung bedingt, andererseits durch die verschiedenartige Herstellung und Anwendung von homöopathischen sowie schulmedizinischen Arzneimitteln. Die unterschiedlichen Auffassungen von Homöopathie einerseits und Schulmedizin andererseits spiegeln sich vor allem in dem wissenschaftlichen Bereich wider, der für die Prüfung eines Medikaments verantwortlich ist. So sind die in der Schulmedizin üblichen Modelle zur Prüfung der Wirksamkeit von Arzneimitteln nicht ohne weiteres auf die Homöopathie übertragbar. Dennoch besteht die Forderung, auch die Wirksamkeit homöopathischer Mittel ausschließlich anhand so genannter Doppelblindstudien, wie sie in der wissenschaftlichen Schulmedizin üblich sind, zu prüfen.

Bei dieser Art von Studien wissen weder Arzt noch Patient, ob ein Arzneimittel oder eine Scheinarznei (Placebo) eingenommen wird. Beide sind in Bezug auf die Studie "blind". Ein solches Vorgehen setzt jedoch voraus, dass es sich um eine exakt beschriebene Erkrankung handelt, wie beispielsweise eine Erkältung. Während dafür nun in der Schulmedizin ein bestimmter Wirkstoff eingesetzt wird, ohne dabei die individuellen Beschwerden des Patienten zu berücksichtigen, gibt es in der Homöopathie gleich mehrere Mittel. Aufgrund des jeweils speziellen Arzneimittelbildes wählt man ein entsprechendes Homöopathikum aus - und genau darin liegt das Problem.

Wegen der individuellen Aufstellung, Diagnosestellung und Arzneimittelgabe eignet sich die Homöopathie nicht, um ihre Wirksamkeit mit klassischen wissenschaftlichen Methoden zu belegen - denn dabei ist die individuelle Therapie nicht möglich, die ja gerade das Wirkprinzip der Homöopathie darstellt. Der Forschungsansatz der Doppelblindstudien ist darum für die Homöopathie letztlich nur in Ausnahmefällen geeignet. Dennoch existieren auch für Homöopathika aussagekräftige Studien. In Deutschland hat vor allem die Karl und Veronica Carstens Stiftung als unabhängige Einrichtung hierzu erhebliche Forschungsarbeit geleistet.

Die homöopathische Anamnese

Gesundheit und Krankheit

Die Lebensenergie steuert alle Lebensfunktionen des Organismus. Ihr Ziel ist es, die natürliche Ordnung und Ausgeglichenheit im Körper zu erhalten bzw. diese wiederherzustellen.

Jede Zelle des Körpers trägt zu dieser Kraft bei; gleichzeitig wird sie aber auch von ihr beeinflusst. Faktoren wie z. B. Stress, Überlastung oder psychische Probleme können die Lebenskraft negativ beeinflussen und schwächen. Der Körper ist dann nicht mehr in der Lage, sich vor Viren, Bakterien und schädigenden Einflüssen zu schützen. Er wird krank.

Entzündungen, Geschwüre und andere Veränderungen weisen darauf hin, dass etwas mit dem inneren Gleichgewicht nicht stimmt. Körperliche oder auch psychische Symptome sind also nicht die Krankheit selbst, sondern die Folge der Disharmonie. Je stärker dieses Ungleichgewicht ist, desto ausgeprägter und schwerer ist die Erkrankung. Homöopathische Arzneimittel bringen wie kleinste Gewichte diese innere Waage ins Lot. Befinden sich dann Körper, Geist und Seele wieder im Einklang miteinander, ist die Lebenskraft ausbalanciert und der Mensch gesund.

Miasmatische Belastung

Samuel Hahnemann postulierte drei große Erbkrankheiten, die jeden Menschen in seiner Neigung zu erkranken bis heute prägen. Er sprach von den Miasmen, wobei das griechische Wort "Miasma" mit "Befleckung, Unreinheit" zu übersetzen ist. Miasmen bedeuten nicht, dass jemand akut an diesen Erkrankungen leidet, sondern stattdessen werden ihre Folgen über Generationen hinweg weitergegeben.

Bei einer miasmatischen Belastung ist die Lebensenergie aufgrund einer solchen vererbten Störung reduziert. Diese Schwächung ist mit eine der häufigsten Ursachen für chronische Erkrankungen - schließlich hat die körpereigene, schwache Abwehr einer (beliebigen) Erkrankung nichts entgegenzusetzen. Zu den Miasmen gehören Psora (Krätze), Gonorrhoe und Syphilis. Die französischen Vertreter der Homöopathie zählen zudem noch die Tuberkulose dazu.

Akute Krankheiten

Im Gegensatz zu einer chronischen Erkrankung können die Selbstheilungskräfte im akuten Krankheitsfall die Beeinträchtigung in kurzer Zeit überwinden.

Der Körper versucht hier, das innere Gleichgewicht durch entlastende Maßnahmen zu erreichen. Dazu zählen vor allem Ausscheidungs- und Reinigungsvorgänge wie z. B. Erbrechen, Durchfall, Fieber, Schnupfen und Hautausschläge. Da diese Vorgänge den Körper entlasten und außerdem von einem aktiven Selbstheilungsprozess zeugen, sollten sie keinesfalls mit Medikamenten unterdrückt werden. In einem solchen Fall können sich die Beschwerden festsetzen, so dass sich die akute Erkrankung zu einer chronischen entwickelt.

Chronische Krankheiten

Chronische BronchitisChronische Bronchitis: eine in Deutschland weit verbreitete chronische Erkrankung der Bronchen
Gerade bei chronischen Krankheiten wird das weitergehende Konzept der Homöopathie deutlich. Denn diese Krankheiten entstehen, wenn die Selbstheilungskräfte des Körpers zu schwach sind, um die Gesundheit wiederherzustellen.

Im Verständnis der Homöopathie gibt es vor allem drei Gründe hierfür:

  1. die miasmatische Belastung als tiefe, vererbte Störung der Lebenskraft
  2. Persönlichkeitsmerkmale
  3. wiederholte Unterdrückungen von Symptomen akuter Erkrankungen und damit möglicherweise die Blockierung der natürlichen Ausscheidung

Üblicherweise entwickelt sich eine solche Krankheit schleichend über viele Jahre hinweg, wobei die Beschwerden zunächst kaum wahrgenommen werden - bis sie dann zunehmend verstärkt auftreten.

Heilungsverlauf und Gesundung

Eine schulmedizinische Behandlung beseitigt zwar in der Regel die Symptome einer Krankheit, aber nicht deren eigentliche Ursache. Auch wenn ein Mensch in diesem Fall von seinen Beschwerden befreit ist, heißt dies nicht, dass er auch geheilt ist. Echte Heilung bedeutet eine Wiederherstellung der harmonischen Lebenskraft, wobei homöopathische Arzneimittel immer die Lebenskraft stärken.

Der Heilungsverlauf in der Homöopathie - zumal bei chronischen Krankheiten - unterscheidet sich von demjenigen in der schulmedizinischen Behandlung. Gerade nicht erwünscht ist dabei das rasche Verschwinden lange bestehender Beschwerden. Verständlicherweise fühlt sich ein Patient mit juckendem Hautausschlag wie erlöst, wenn seine Symptome durch eine schulmedizinische Salbenbehandlung rasch abklingen.

Umso größer ist dann allerdings die Enttäuschung, tritt nach Absetzen der Salbe der Hautausschlag wieder auf - und das oft auch noch verstärkt. Typisch für den Verlauf wäre in der Homöopathie möglicherweise zunächst die kurze Intensivierung als Zeichen einer ersten Reaktion des Körpers. Diese wird auch als "Erstverschlimmerung" bezeichnet. Danach würden die Beschwerden dann allmählich, zwar über mehrere Wochen und Monate hinweg, dafür aber auf Dauer, abklingen.

So verläuft die Behandlung beim Homöopathen

Die wichtigste Grundlage einer homöopathischen Behandlung besteht in der genauen Beobachtung der Krankheit und aller ihrer Symptome, die sorgfältig registriert und dann ausgewertet werden.

Homöopathen - die in Deutschland Ärzte (mit Zusatzausbildung) oder Heilpraktiker sein können - brauchen deshalb eine außergewöhnlich hohe Beobachtungsgabe, die sie auch die feinsten Hinweise und Ausprägungen von Krankheitserscheinungen erkennen lässt. Mit diesen Informationen muss es ihnen sodann gelingen, den Bezug zu beispielsweise den seelischen, sozialen und klimatischen Bedingungen der Erkrankung herzustellen.

Den klassischen Homöopathen zeichnet aus, dass er sich für eine umfangreiche Krankenbefragung (Anamnese) sehr viel Zeit nimmt - und dabei in erster Linie sich nicht für die Krankheit interessiert, sondern für die Person in ihrer Ganzheit. Dazu zählen eben nicht nur die körperlichen Beschwerden, sondern auch das seelische und geistige Empfinden des betroffenen Patienten. Nach der Anamnese verschreibt der Homöopath in aller Regel nur eine Arznei, deren Wirkung er anschließend über mehrere Wochen hinweg beobachtet.

Je nach Krankheit und Krankheitsverlauf sind manchmal mehrere Arzneien notwendig, die jedoch nicht zusammen, sondern in der Regel in Abständen von mehreren Monaten nacheinander eingenommen werden. Immer wieder gibt das Gespräch zwischen dem Homöopathen und dem Patienten den nötigen Aufschluss über Gesamtbefinden und Heilungsverlauf, der hauptsächlich nach der Ausprägung der Beschwerden und ihrer Heilung beurteilt wird. Diagnostische Verfahren wie z. B. eine Laboruntersuchung haben dagegen in der klassischen Homöopathie nur einen untergeordneten Stellenwert.

Homöopathie anwenden

Wie werden homöopathische Arzneimittel hergestellt?

Homöopathische Arzneimittel werden aus verschiedenen Ausgangsstoffen hergestellt. Als Grundstoff dienen Mineralien, Pflanzen, ganze Tiere (wie z. B. die Honigbiene) oder tierische Bestandteile (beispielsweise der Farbstoff aus dem Beutel des Tintenfisches, verschiedene Schlangengifte, Hunde- bzw. Delfinmilch).

Weiterhin werden auch chemische Substanzen verarbeitet, die sich in der herkömmlichen Medizin bewährt haben. In diese Gruppe fallen etwa Kortison, aber auch unterschiedliche Grundstoffe aus der Naturheilkunde wie z. B. Kamille und andere Heilkräuter. Manche Mittel werden auch aus Krankheitsprodukten gewonnen: aus einzelnen Erregern (z. B. Streptokokken), aus Gewebeneubildungen (etwa einer Krebsgeschwulst) oder Absonderungen (z. B. Eiter).
Solche Arzneien werden Nosoden genannt. Unabhängig vom Ausgangsmaterial und zusätzlich zum Wirkprinzip ist eine besondere Methode bei der Herstellung homöopathischer Arzneien von Bedeutung: die Potenzierung. Sie ermöglicht es unter anderem, Substanzen als Heilmittel zu verwenden, die früher therapeutisch nicht einsetzbar waren.

Die Verdünnung

Zur Herstellung homöopathischer Arzneien geht man vom gewünschten Ausgangsstoff aus, der Ursubstanz. Ist diese löslich, wird daraus mittels eines alkoholischen Auszuges die Urtinktur hergestellt. Feste Ursubstanzen werden zunächst so lange mit Milchzucker verrieben, bis sie schließlich ebenfalls mit Alkohol verdünnbar sind. Sowohl die Urtinkturen wie auch die Ursubstanzen durchlaufen während der Verarbeitung zur Arznei zahlreiche Verdünnungsstufen, so dass letztlich nur noch verschwindend wenig oder auch gar nichts mehr vom Ausgangsstoff im Mittel nachweisbar ist. Aus diesem Grund können neben vielen neuen Substanzen in der Homöopathie auch Grundstoffe verabreicht werden, die im Grunde hochgradig giftig sind - durch die Verdünnung jedoch gefahrlos angewendet werden können.

Die Potenzierung

In der Homöopathie wird ein Mittel jedoch nicht einfach nur verdünnt, sondern potenziert. Potenzierung bedeutet Kraftentfaltung. Während die medizinische Wirkung der Ursubstanz auf ihren Inhaltsstoffen beruht, macht sie durch das Potenzieren eine Umwandlung durch: Schritt für Schritt wird sie mithilfe der dynamischen Verschüttelung bzw. Verreibung in ihrem Wirkpotenzial aufgeschlüsselt. D-Potenzen werden im Verhältnis 1 zu 10 verdünnt, das "D" steht dabei für Dezimalskala. Die Potenzierung läuft dabei nach folgendem Schema ab, hier am Beispiel des homöopathischen Mittels Belladonna erläutert: 1 Tropfen der Urtinktur Belladonna wird mit 9 Tropfen Alkohol gemischt. Das Gemisch wird in einem Gefäß 10-mal geschüttelt. Dieser Vorgang wird Dynamisieren genannt und macht aus der einfachen Verdünnung die Potenzierung. Auf diese Weise erhält man Belladonna in der Potenz D1. Für die Herstellung der Potenz D2 schließlich werden ein Tropfen Belladonna D1 mit 9 Tropfen Alkohol gemischt und geschüttelt. So setzt sich die Vermischung und Potenzierung bis zu den höchsten Potenzen immer weiter fort. Neben den D-Potenzen zählen auch die C-Potenzen die den häufig angewendeten Mitteln. Das "C" steht dabei für Centesimalskala. C-Potenzen werden im Verhältnis 1 zu 100 verdünnt. Bei den eher selten verordneten LM- oder Q-Potenzen handelt es sich um eine Verdünnung im Verhältnis 1 zu 50.000.

Darreichungsformen

Die homöopathischen Arzneien sind bei gleicher Wirkung in unterschiedlichen Darreichungsformen erhältlich:

Die Tabletten bestehen aus Milchzucker und sind daher nicht für Menschen mit einer Laktoseintoleranz geeignet. Dilutionen enthalten über 40 Prozent Alkohol und sollten deshalb nicht bei Säuglingen, Kindern und Alkoholkranken eingesetzt werden. Im Falle von Globuli handelt es sich um Zuckerkügelchen, die mit der alkoholischen Arzneilösung beträufelt wurden. Dabei sind Alkohol- wie auch Zuckergehalt so gering, dass Globuli sich besonders für Kinder hervorragend eignen. Tinkturen und Salben werden stets äußerlich angewendet und eignen sich nicht für eine orale Aufnahme.

Wie finde ich einen guten Homöopathen?

Leider ist der Titel "Homöopath" in Deutschland (noch) nicht gesetzlich geschützt. Rein theoretisch kann sich also jeder, auch ohne jegliche formale medizinische Ausbildung, so nennen. Einen guten Homöopathen erkennt man in der Regel also daran, dass er um seine Qualifikationen kein Geheimnis macht, sondern bereitwillig Auskunft gibt. Homöopathische Ärzte haben nach einem abgeschlossenen Medizinstudium eine von den Landesärztekammern anerkannte und vorgeschriebene dreijährige Weiterbildung absolviert. Daneben gibt es außerdem Heilpraktiker, die homöopathisch behandeln. Vorsicht ist bei (selbsternannten) Homöopathen geboten, die die Schulmedizin gänzlich in Frage stellen und meinen, sie könnten alles heilen. Auch die Homöopathie ist eine Therapieform wie jede andere und kein wundertätiges Hexenwerk. Adressen guter Homöopathen erfährt man - wie so vieles - über Mundpropaganda oder auch über Adressenverzeichnisse wie z. B. des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ). Wer einen homöopathisch tätigen Heilpraktiker aufsuchen möchte, erfährt Adressen über den Verband klassischer Homöopathen Deutschlands e.V., dem Berufsverband homöopathischer Heilpraktiker. Auf den Webseiten der genannten Vereine finden Interessierte jeweils umfangreiche Datenbanken mit Namen und Adressen anerkannter Homöopathen.

Hinweise zur Einnahme und Aufbewahrung homöopathischer Arzneimittel

Nachdem im ersten Schritt die Krankheit bzw. die Beschwerden durch den Homöopathen oder auch eine eingehende Selbstbeobachtung festgestellt wurden, kann nun danach - im zweiten Schritt - das passende Mittel gefunden werden und die homöopathische Behandlung erfolgen. Homöopathische Mittel werden üblicherweise in Form von Globuli, Tropfen oder Tabletten eingenommen, wobei für eine Selbstbehandlung die Kügelchen am besten geeignet sind. Homöopathika sind durch das Potenzieren feinstoffliche Mittel, die entsprechend empfindlich sind.

Damit sie nicht auf äußere Reize reagieren und dadurch möglicherweise an Wirksamkeit verlieren, gilt bei ihrer Einnahme einiges zu beachten:

  1. Das homöopathische Mittel darf nicht mit der Hand berührt werden. Es sollte auch nicht mit einem Metalllöffel, sondern stattdessen einem Porzellan- oder Plastiklöffel eingenommen werden.
  2. Das Mittel darf nicht einfach hinunter geschluckt und auch nicht zerkaut werden. Stattdessen sollten homöopathische Arzneimittel etwa eine Minute auf der Zunge zergehen lassen werden, da die Aufnahme der Wirkstoffe über die Mundschleimhaut erfolgt.
  3. Das Mittel sollte etwa eine Viertelstunde vor oder nach dem Essen bzw. Trinken genommen werden. In dieser Zeitspanne auch nicht Rauchen.
  4. Alkoholhaltige Tropfen können mit Wasser eingenommen werden.
  5. Bestimmte Substanzen können die Heilwirkung eines Homöopathikums, zumal in höheren Potenzen, beeinträchtigen oder gar verhindern, weil sie entweder einen Gegenreiz setzen oder in Wechselwirkung mit dem Mittel treten. Aus diesem Grund sollte während der Behandlung auf den gleichzeitigen Konsum bzw. die Anwendung von Kaffee und koffeinhaltigen Getränken, Kamille und ätherischen Ölen (z. B. auch in Zahnpasta, Badezusätzen, Mundspülungen, Halspastillen, Kaugummi, Pfefferminztee etc. enthalten) verzichtet werden.

Bezüglich der richtigen Lagerung homöopathischer Medikamente gelten folgende Regeln:

  1. Arzneimittel sind vor Licht und Hitze zu schützen, weshalb sie in einer braunen, Licht abweisenden Arzneiflasche geliefert werden - bitte kühl, dunkel und trocken lagern
  2. Homöopathika sollten nicht in der Nähe intensiv duftender Substanzen wie z. B. Parfüms, ätherischen Ölen, Seifen sowie Wasch- und Reinigungsmitteln gelagert werden
  3. Ebenso sollten die Mittel nicht in der Nähe elektromagnetischer Felder aufbewahrt werden, also in der Nähe von Mobiltelefonen, Computern oder Mikrowellengeräten

Wie jede Arznei müssen auch homöopathische Medikamente ein Haltbarkeitsdatum aufweisen. Tabletten, Globuli und Tropfen tragen ein Haltbarkeitsdatum auf dem Etikett. Falls eine homöopathische Arznei entsorgt werden soll, genügt die Entsorgung über einen Mülleimer. Die flüssigen Tinkturen auf alkoholischer Basis werden nach dem homöopathischen Arzneibuch hergestellt. Urtinkturen sind unverdünnt und unpotenziert. Tinkturen sind nur beschränkt haltbar und sollten nach spätestens zwei Jahren ausgetauscht werden.

Die richtige Dosierung

Zu jedem Symptombild gibt es für jede homöopathische Arznei eine Dosierungsempfehlung. Manche Angaben gleichen einander, doch bestehen zum Teil auch große Unterschiede. Die Dosierung richtet sich allgemein nach der Intensität der Beschwerden und nach der Arzneipotenz. Je heftiger eine Beschwerde, desto häufiger, je höher die Potenz, desto seltener erfolgt die Einnahme. Grundsätzlich wird eine Arznei dann eingenommen, wenn die Wirkung einer vorherigen Gabe nachzulassen beginnt. Entsprechend variiert die Einnahme von alle paar Minuten (z. B. bei einer Ohnmacht) über ein bis vier Mal täglich (beispielsweise bei einer Erkältung) bis hin zu einer einzigen Gabe, wobei letzteres nur bei hohen Potenzen ab D30 geschieht. Eine Besserung kann sofort eintreten und ist in der Regel spätestens nach der dritten Einnahme zu erwarten. Die Einnahmeintervalle verlängern sich, sobald eine Besserung eintritt. Die Einnahme wird beendet, wenn die Beschwerden vorüber sind. Gegebenenfalls sind noch einige Tage Schonung angezeigt, damit der geschwächte Organismus keinen Rückfall erleidet. Mehr als fünf Globuli in einer Gabe einzunehmen bringt keine Steigerung in der Wirkung. Bei einer Selbstbehandlung sind Potenzen bis maximal D12 ratsam, da es sich dabei um eine sanfte und gut zu handhabende Arzneistärke handelt. Höhere Potenzen (ab D30) sind für eine Selbstbehandlung eher nicht geeignet, denn: Je höher die Potenz, desto stärker ist die Arzneiwirkung und desto länger kann bei falscher Mittelwahl auch eine unerwünschte Wirkung im Organismus verbleiben.

Übliche Dosierungen:

Zur Vereinheitlichung der Mengen spricht man von einer "homöopathischen Gabe". Dabei entsprechen fünf Globuli, fünf Tropfen Dilution, eine Tablette oder eine Injektionslösung je einer Gabe. Von Arzneien ab D30 aufwärts werden drei Globuli empfohlen, entsprechend drei Tropfen oder eine Tablette. Homöopathische Arzneien sind in der Schwangerschaft sowie für Säuglinge und Kinder gut verträglich und brauchen weder in der Potenz noch in der Dosierung verändert zu werden.

Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten

In seltenen Fällen kann auf eine bestimmte Arznei überempfindlich reagiert werden. Es kommt dann zu einer anfänglichen Verschlimmerung vorhandener Beschwerden, die jedoch nicht mit der Erstverschlimmerung zu verwechseln ist. Wenn sich der Patient nach einer Arzneieinnahme allgemein unwohl fühlt, ohne dass es zu einer Verschlimmerung einzelner Beschwerden kommt, ist die Arznei sehr wahrscheinlich falsch und sollte nicht mehr eingenommen werden. Die homöopathischen Mittel unterscheiden sich grundlegend von Arzneien, wie man sie in der Schulmedizin oder Pflanzenmedizin kennt. Entgegen der landläufigen Meinung "Wo nichts drin ist, kann auch nichts schaden" können jedoch auch Homöopathika unerwünschte Wirkungen zeigen, die zu beachten und zu verstehen sind. Unerwünschte Wirkungen treten beispielsweise dann auf, wenn das falsche Mittel für eine Behandlung gewählt wurde. In einem solchen Fall sollte ein anderes Mittel herangezogen werden. Dagegen gibt es bei homöopathischen Arzneien keine Nebenwirkungen, wie sie von herkömmlichen Medikamenten bekannt sind. Da Wechselwirkungen mit nicht-homöopathischen Arzneimitteln nicht bekannt sind, lässt sich die homöopathische Behandlung gut mit einer schulmedizinischen verbinden. Therapieformen, die ähnlich der Homöopathie auf energetische Weise wirken, sollten nicht zusammen mit der Homöopathie angewandt werden. Dazu gehören unter anderem Bach-Blüten, Akupunktur, Heilmagnetismus, Farbtherapie und Edelsteintherapie.

Einnahme mehrerer homöopathischer Mittel

Entsprechend dem homöopathischen Prinzip kann immer nur eine Arznei den Beschwerden am ähnlichsten sein. Nur von dieser ist eine optimale Heilwirkung zu erwarten. Mit der gleichzeitigen Einnahme mehrerer Homöopathika gleicht die Behandlung einem Schuss mit der Schrotflinte, getragen von der Hoffnung, dass eines der Geschosse schon treffen wird. Leider geht diese Überlegung nicht auf, da homöopathische Mittel sich in ihrer Wirkung nicht gegenseitig unterstützen - manchmal behindern sie einander, so dass auch das richtige Mittel neben den anderen nicht mehr ausreichend wirkt.

Die Erstverschlimmerung

Unter Umständen verschlechtern sich zu Beginn einer homöopathischen Behandlung die Beschwerden vorübergehend. Dieses Phänomen, das in aller Regel nach einigen Tagen auftritt, wird als Erstverschlimmerung bezeichnet. Im Grunde genommen wäre dafür die Bezeichnung Erstreaktion treffender, zeigt die Erscheinung doch, dass der Körper reagiert und der Heilungsprozess einsetzt. Die Erstverschlimmerung ist also durchaus als positives Zeichen anzusehen. Die Reaktionen sind dabei je nach Potenz und je nach Konstitution des Patienten individuell unterschiedlich. In der Regel werden jedoch Selbstreinigungsprozesse in Gang gesetzt, die sich beispielsweise in einer vermehrten Schleimausscheidung, in Durchfällen oder Hautausschlägen zeigt. Sobald eine Erstverschlimmerung auftritt, sollte das Mittel für einige Tage abgesetzt werden. Stattdessen sollte kein anderes Mittel genommen und auch nicht versucht werden, die auftretenden Beschwerden zu unterdrücken. Nach Abklingen der Beschwerden kann die Behandlung fortgeführt werden.

Selbstmedikation

Wann ist eine homöopathische Selbstmedikation sinnvoll?

Die Homöopathie eignet sich, wie kaum eine andere Therapieweise, hervorragend zur Selbstbehandlung. Sehr gut lassen sich Homöopathika etwa bei Befindlichkeitsstörungen, bei leichteren Erkrankungen, bei vielen akuten Beschwerden - natürlich mit Ausnahme von schweren Notfällen - sowie bei vielen chronischen Erkrankungen einsetzen. Voraussetzung ist jedoch ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit. Da die Homöopathie eine individuelle Therapie ist, kann nicht jeder mit den gleichen Beschwerden das gleiche Mittel einnehmen. So muss stets eine intensive Suche nach dem jeweils passenden Mittel erfolgen. Man sollte sich nur dann selbst behandeln, wenn man sich sicher ist. Dies gilt insbesondere für Erkrankungen, die mit Fieber einhergehen sowie für die Behandlung von Kindern und während einer Schwangerschaft.

Für eine Selbstbehandlung gelten folgende Hinweise:

  1. Im Zweifel stets einen Arzt / Homöopathen zu Rate ziehen.
  2. Stets nur ein Mittel auswählen, niemals wahllos mehrere Mittel gleichzeitig oder hintereinander ausprobieren.
  3. Im Verlauf der Behandlung ganz genau die Symptome sowie die erfolgenden Veränderungen beobachten.
  4. Bei einer über Tage anhaltenden Verschlimmerung die homöopathische Behandlung unbedingt abbrechen.
  5. Im Falle einer chronischen Erkrankung die homöopathische Therapie mit dem behandelnden Arzt absprechen.
  6. Niemals ein schulmedizinisches Präparat auf eigene Faust durch ein Homöopathikum ersetzen.
  7. Sich intensiv mit den verschiedenen Krankheitsbildern und der Mittelfindung auseinander setzen.

Grenzen der Selbstmedikation

Eigenverantwortliches Heilen verlangt innere Reife und eine realistische Einschätzung der begrenzten Möglichkeiten des eigenen Tuns. Da ein Laie meist über nur geringe medizinische Kenntnisse verfügt, werden allzu leicht bedrohliche Erkrankungen gefährlich unterschätzt, oder es verschlechtern sich die Chancen einer Heilung, wenn mit erfolglosen Therapieversuchen zu viel kostbare Zeit verstreicht. Aus diesem Grund sollten sich Patienten im Zweifelsfall stets an einen Homöopathen und / oder Arzt wenden. Chronische Beschwerden sollten immer durch einen erfahrenen Homöopathen behandelt werden, der in einem solchen Fall eine Konstitutionsbehandlung durchführt. Wer über keinerlei Erfahrung mit der homöopathischen Selbstbehandlung verfügt, macht seine ersten Versuche am besten mit leicht zu behandelnden Beschwerden. Um infektiöse und entzündliche Erkrankungen selbst zu behandeln, sollte man bereits Erfahrung mit homöopathischen Arzneimitteln mitbringen. Dazu gehören u. a. grippale Infekte, Kinderkrankheiten und generell alle mit Fieber einhergehenden Erkrankungen. Will man ein so komplexes Heilsystem wie die Homöopathie verstehen und als Laie sicher einsetzen, kann es hilfreich sein, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Das kann in Homöopathie-Vereinen für Laien geschehen, in von Homöopathen geleiteten Arbeitskreisen oder in Seminarreihen der Volkshochschulen.

Das richtige Mittel finden

Das Wichtigste der homöopathischen Kunst ist die Mittelfindung. Dazu ist eine genaue Selbstbeobachtung notwendig, die unbedingt vorgenommen werden muss. Zu jedem Mittel gehören Symptome bzw. Modalitäten, die sich sowohl auf das erkrankte Organ als auch auf das Gesamtbefinden des Patienten beziehen. Dies erklärt, weshalb bei der Mittelwahl Beschwerden abgefragt werden, die scheinbar in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der Erkrankung stehen. Für die Mittelfindung sind dies jedoch zusätzliche Informationen, die den entscheidenden Hinweis geben können. Für die Wahl des richtigen Mittels sind sowohl das Beschwerdenbild als auch das Arzneimittelbild relevant. Das Beschwerdenbild setzt sich zusammen aus den individuellen Beschwerden oder Symptomen, die die Krankheit mit sich bringt. Das Arzneimittelbild ist eine Zusammenstellung aller Beschwerden oder Symptome, die ein homöopathisches Mittel bei einem Gesunden hervorrufen kann. Zu Erinnerung: Der Leitsatz der Homöopathie lautet: Mit Ähnlichem Ähnliches heilen. Das Arzneimittelbild charakterisiert also die Arznei und zeigt auf, bei welchen Beschwerden oder Symptomen sie eingesetzt werden kann. Für eine homöopathische Behandlung stehen viele Mittel zur Verfügung. Die Wahl der ähnlichsten Arznei kann schwierig sein, wenn nur wenige Symptome eindeutig auf eine Arznei verweisen oder wenn bei zu vielen Symptomen die ausschlaggebenden nicht erkannt werden. Diese sind nicht immer die eigentlichen Krankheitssymptome, sondern oft fungieren Gemütsverfassungen als Leitsymptom für ein bestimmtes homöopathisches Arzneimittel. Krankheitssymptome spielen für die Mittelbestimmung in der Homöopathie oft eine eher untergeordnete Rolle. Das Wichtigste für die Mittelwahl ist zunächst das, was die Krankheit am Menschen verändert, worunter eben meist Gemüts- und Allgemeinsymptome fallen.

Konstitutionsbehandlung

Wenn bestimmte Beschwerden immer wieder auftreten, ist eine Behandlung angezeigt, die weit umfassender ist und tiefer geht als eine Selbstbehandlung. Aus homöopathischer Sicht ist eine Krankheit nicht der Defekt eines einzelnen Organs, sondern als Erkrankung des ganzen Systems zu verstehen. Dies umfasst das Zusammenspiel aller Organe einschließlich des seelisch-geistigen Befindens, das soziale Umfeld sowie Klimafaktoren und Umwelteinflüsse. Dass und wie ein Mensch krank wird, liegt auch in seiner Konstitution begründet, die er bei der Geburt mit auf die Welt bringt. Die Konstitution ist das Erbe seiner Eltern und Ahnen. Da der genetische Bauplan bei niemandem vollkommen ist, zeigen sich anlagebedingte, ergo konstitutionelle, Schwächen eines Menschen früher oder später in der Neigung, vermehrt mit bestimmten Krankheiten zu reagieren. Mal ist es die besondere Empfindlichkeit im HNO-Bereich, mal der empfindliche Magen oder das schnell überforderte Nervensystem, um nur einige Beispiele für konstitutionelle Schwächen zu geben.

Die Konstitution kann im Laufe des Lebens durch zahlreiche Faktoren beeinflusst werden. Mängel und Schwächen können durch eine gesunde, auf das eigene Befinden zugeschnittene Lebensweise und Ernährung zumindest teilweise ausgeglichen werden. Damit lässt sich eine Erkrankung individuell lange hinausschieben. Umgekehrt treten die konstitutionellen Schwächen aber umso früher zutage, je schlechter die Lebensbedingungen für den Betroffenen sind.

Als Konstitutionsmittel werden in der Regel Hochpotenzen eingesetzt, die für eine Selbstbehandlung nicht in Frage kommen. Durch langjährige, ausführliche Beobachtung hat man eine gewisse Anzahl von Konstitutionsmitteln bestimmen können, die jeweils zu einem genau beschriebenen Menschentyp passen. Genauso wie gewisse Menschen ein ähnliches Verhaltensmuster in ihrem Leben zeigen, so ähneln sich auch ihre Krankheitsverläufe. Darauf basiert die Anwendung der Konstitutionsbehandlung, die stets durch einen erfahrenen Homöopathen erfolgen sollte. Während einer Konstitutionsbehandlung sollte kein anderes homöopathisches Mittel ohne Rücksprache mit dem Therapeuten eingenommen werden.